Im 24-Stunden-Übungseinsatz

Heulender Sturm, akute Waldbrandgefahr und elf unbarmherzige Einsätze ohne Schlaf: Bei einer dramatischen 24-Stunden-Großübung im Harz ging die Rettungshundestaffel Ruhrgebiet gemeinsam mit Teams aus ganz Deutschland bis an die absolute Belastungsgrenze.

Ausgerichtet wurde das anspruchsvolle Großszenario unserem Bundesverband BZRH, der mehrere Staffeln aus verschiedenen Teilen des Landes nach St. Andreasberg gerufen hatten. Bereits im Vorfeld stimmten fiktive Lageberichte auf die Übung ein, doch wie im echten Einsatzgeschehen forderte die unberechenbare Lage sofortige Flexibilität. Da der angekündigte Regen ausblieb, reagierte die Übungsleitung blitzschnell und wandelte das Geschehen in eine brisante Mischung aus Sturm, extremer Trockenheit und akuter Waldbrandgefahr um.

Mit dem Eintreffen am feiertagsbedingten 3. Oktober startete der Einsatz bewusst mit logistischen Grundlagen statt mit einer sofortigen Suche. Während ein Teil der Kräfte die Verpflegung für die kommenden 24 Stunden sicherstellte, bauten weitere Helfer den gemeinsamen Verfügungsraum samt Ruhezonen für Mensch und Hund auf. Ein anschließender Orientierungslauf durch St. Andreasberg schärfte den Blick für wichtige Wegpunkte und Geländestrukturen, damit sich die Teams auch unter enormem Zeitdruck sicher im Stadtgebiet bewegen konnten. Nach getaner Vorbereitung hieß es zunächst, in permanenter Einsatzbereitschaft zu verharren.

Die erhoffte Ruhe währte jedoch nur kurz. Um Punkt vier Uhr morgens riss der erste Alarm die Einsatzkräfte aus dem Schlaf und forderte volle Konzentration bei einer nächtlichen Personensuche. Genau diese Unberechenbarkeit spiegelte den Ernstfall wider, denn die Teams mussten jederzeit und unabhängig von Erholungsphasen Höchstleistung abrufen. Auch der Vormittag ließ keine Atempause zu, als zwischen 9:00 und 15:00 Uhr Schlag auf Schlag weitere Anforderungen eintrafen. Neben der feinen Spürnasenarbeit der Hunde waren die Hundeführer und Helfer bei taktischen Lagebeurteilungen sowie der präzisen Kommunikation mit der Einsatzleitung gefordert.

Am Samstagnachmittag spitzte sich das Szenario nochmals zu, als die Freiwilligen Feuerwehren St. Andreasberg und Sieber hinzustießen. In einem weitläufigen, verlassenen Klinikgebäude galt es, neun vermisste Personen aufzuspüren. Hier griffen die Fähigkeiten beider Organisationen nahtlos ineinander: Während unsere Rettungshunde die Vermissten in den verschachtelten Räumen lokalisierten und meldeten, übernahm die Feuerwehr unmittelbar die technische Rettung aus dem Gebäude.

Nach 24 kräftezehrenden Stunden, unzähligen Kilometern und elf erfolgreich abgearbeiteten Einsatzaufträgen bewies die Großübung eindrucksvoll, worauf es ankommt. Nicht starre Abläufe, sondern Teamgeist, mentale Stärke und spontane Anpassungsfähigkeit unter wechselnden Bedingungen brachten den Erfolg. Beim abschließenden Grillabend bei der Feuerwehr St. Andreasberg ließen die beteiligten Staffeln das Erlebte gemeinsam Revue passieren. Ein herzlicher Dank gilt der Übungsleitung, den Feuerwehren St. Andreasberg und Sieber sowie allen Helfern und Verletztendarstellern für ihren unermüdlichen Einsatz.

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