Uns bot sich eine seltene und extrem wertvolle Gelegenheit: das Training auf den Trümmern eines frisch abgerissenen Gebäudes. Ein solches Szenario ist mehr als nur eine Übung. Es ist eine tiefgreifende Erfahrung, die unsere Rettungshundeteams an ihre Grenzen bringt und für den Ernstfall wappnet.

Im Gegensatz zu präparierten Übungsplätzen, deren Untergrund oft verfestigt ist, um eine sichere Begehung zu ermöglichen, erwartete uns hier die pure Realität eines Einsatzes. Die Tücke solcher frischen Trümmer liegt nicht in einer einfach nur rutschigen Oberfläche, sondern in der unberechenbaren Instabilität des gesamten Areals. Der Untergrund bestand aus losen, teils scharfkantigen Trümmerteilen, die bei der kleinsten Belastung nachgaben. Jeder Schritt, jede Gewichtsverlagerung konnte dazu führen, dass Steine, Metallteile oder Betonstücke ins Rutschen gerieten und unkontrollierbare Bewegungen auslösten. Das machte die Situation natürlich auch deutlich gefährlicher und anspruchsvoller als in jeder gestellten Übung.

Was bedeutet das für unsere Hunde? Zunächst einmal eine gewaltige mentale und physische Umstellung. Der Untergrund gibt nach, er bewegt sich und erzeugt laute Geräusche. Das erfordert ein Höchstmaß an Konzentration und Körperbeherrschung, um nicht nur die Suche erfolgreich zu absolvieren, sondern auch unversehrt zu bleiben.
Unsere Hunde mussten lernen, ihren Körper völlig neu wahrzunehmen und einzusetzen. Anstatt einfach nur zu laufen, mussten sie jeden Schritt bewusst setzen, ihr Gewicht vorsichtig verlagern und ständig den Untergrund unter ihren Pfoten “lesen”. Sie lernten, minimale Bewegungen der Trümmerteile zu spüren und ihre Balance blitzschnell anzupassen, um nicht den Halt zu verlieren oder ein Abrutschen größerer Teile auszulösen.

Dieser Prozess ist eine immense Vertrauensprobe. Der Hund muss sich voll und ganz auf die Anweisungen seines Menschen verlassen, der ihn sicher durch das gefährliche Gelände führt und die Lage ständig neu bewertet. Gleichzeitig muss der Hundeführer seinem Hund vertrauen, dass dieser die nötige Vorsicht und das instinktive Gespür für den unsicheren Untergrund entwickelt.
Die Tatsache, dass die Trümmerberge nach Material sortiert waren, erwies sich als weiterer großer Vorteil. So konnten wir unsere Hunde gezielt an die Herausforderungen von wackligen Betonbrocken, aufgetürmten Pflastersteinen oder zerschlagenen Asphalt heranführen. Für die jungen, unerfahrenen Hunde war dies eine grundlegende Lektion in Sachen Trümmersicherheit. Für unsere erfahrenen Vierbeiner war es die perfekte Gelegenheit, ihre Fähigkeiten zu verfeinern und sich daran zu erinnern, niemals nachlässig zu werden.

Auch für uns Menschen war jeder Schritt eine Herausforderung. Doch der größte Lohn war zu sehen, wie unsere Hunde die Aufgabe meisterten, wie sie an der Herausforderung wuchsen und am Ende des Tages mit einem neuen Selbstverständnis und gefestigtem Können vom Trümmerfeld kamen.
Wir sind der Stadt Gelsenkirchen und allen Beteiligten zutiefst dankbar für diese außergewöhnliche Trainingsmöglichkeit. Ein anstrengender, aber vor allem lehrreicher Tag liegt hinter uns, der uns einmal mehr gezeigt hat: Realitätsnahe Übungen sind der Schlüssel für eine erfolgreiche und sichere Rettungsarbeit.